90 Jahre Rollei – 90 Jahre Fotogeschichte

Ein herausragendes Produkt dieser Zeit, war die Rolleiflex SLX im Jahr 1974. Die Elektronik, Automatik und der integrierte motorische Filmtransport waren für eine Mittelformatkamera zu diesem Zeitpunkt einzigartig. Vollelektronische Kameras, die Blende, Verschlusszeiten und Schärfe selbsttätig einstellen konnten, machten das Fotografieren zunehmend komfortabler. Ein weiterer wichtiger Schritt in der Fotogeschichte.

Für das Unternehmen folgte ab 1974 eine Zeit, die geprägt war von teilweiser konfuser Modellpolitik, Fehlinvestionen und wechselndem Management. 1981 gingen die Rollei-Werke zurück in «private Hände»: Die Nord LB gab ihre Anteile an mehrere Gesellschafter — unter ihnen Hansheinz Porst — ab. Fortan stellte die frühere Hausbank keine Kredite mehr zu Verfügung. Nur drei Monate später folgte die Zahlungsunfähigkeit und damit die Eröffnung des Liquidationsvergleichs.

Trotz der schwierigen Situation gelang es der Firma Franke & Heidecke unter der neuen Geschäftsführung 1966 zwei zukunftsträchtige Produktneuheiten zu präsentieren: die erste einäugige Rollfilmspiegelreflexkamera SL 66 und die Rollei 35, die kompakteste Kleinbildsucherkamera ihrer Zeit. Als erste Kompaktkamera eines deutschen Herstellers sorgte sie fortlaufend für hohe Umsätze – von 1966 bis 1967 stieg der Umsatz bereits von 30 auf 45 Millionen DM. In den folgenden drei Jahrzehnten wurden weltweit 3 Millionen Kameras der Rollei 35 verkauft. Sie bot vielen Amateuren den idealen Einstieg in die Kleinbildfotografie.

Neues Firmenkonzept - Rollei Fototechnic

Noch im selben Jahr wurde eine «kleine Auffanglösung» erarbeitet. Die neue Firma «Rollei Fototechnic» sollte das alte Rollei-Konzept aufgreifen und die Fertigungsstätten in Braunschweig zur Produktion hochwertiger, konkurrenzloser Profiprodukte in geringer Stückzahl nutzen.

Im Januar 1982 übernahm die United Scientific Holdings, London die «Rollei Fototechnic». Die neue Produktpalette umfasste die bewährten Rollei-Kameras Rolleiflex SLX, SL 66 und die SL 2000F, Rolleis erste Kleinbild-Spiegelreflexkamera mit Wechselmagazin. Darüber hinaus wurden optisch elektronische Präzisionsgeräte für zivile und millitärische Nutzung gefertigt.

Kennzeichnend für die Jahre bis 1986 war zudem die Rückbesinnung auf die Rollei-Klassiker. Limitierte Sondereditionen wie z.B. die zweiäugige Rolleiflex 2,8 F Aurum und die Rollei 35 in Gold und Platin sorgten weltweit für Begeisterung.

Am 10. Juli 1987 übernahmen die Optischen Werke Schneider, Bad Kreuznach die «Rollei Fototechnic». Im Mittelpunkt stand der Know-How-Transfer und die gemeinsame Nutzung der Forschungskapazitäten unter Einsatz der neuesten Technologien. Im gleichen Jahr erregten die modifizierten Klassiker Rolleiflex 2,8 GX mit TTL-Belichtungs- und Blitzmessung und die Rollei 35 classic Aufsehen. Auf der photokina 1988 wurde die Rolleiflex 6008 als technisch führende Mittelformat-Kamera mit neuem Objektiv vorgestellt. [weiter...]