Weiterhin wurde kontinuierlich an der Optimierung und Erweiterung der Rolleiflex Produktfamilie gearbeitet. Ein außergewöhnliches Beispiel war die Rolleimarin. Ein Unterwassergehäuse, das in Zusammenarbeit mit dem Tauchpionier Dr. Hans Hass für die Serienproduktion entwickelt wurde. Das 5,3 Kilogramm schwere Gehäuse entsprach den gestiegenen Anforderungen der Unterwasserfotografie und ermöglichte Aufnahmen mit dem Rolleiflex-Automaten 3,5 in bis zu 100 Meter Wassertiefe.
Der Tod der beiden Firmengründer, Paul Franke (1950) und Reinhold Heidecke (1960), warf einen Schatten auf diese erfolgreichen Jahren. Sie hinterließen ein Vakuum, dass die Firma vor große Herausforderungen stellte. Darüber hinaus galt es mit neuen Innovationen der allmählichen Marktsättigung im Bereich der zweiäugigen Mittelformatkameras und der steigenden Bedeutung der Kleinblidkameras zu begegnen.
Trotz der schwierigen Situation gelang es der Firma Franke & Heidecke unter der neuen Geschäftsführung 1966 zwei zukunftsträchtige Produktneuheiten zu präsentieren: die erste einäugige Rollfilmspiegelreflexkamera SL 66 und die Rollei 35, die kompakteste Kleinbildsucherkamera ihrer Zeit. Als erste Kompaktkamera eines deutschen Herstellers sorgte sie fortlaufend für hohe Umsätze – von 1966 bis 1967 stieg der Umsatz bereits von 30 auf 45 Millionen DM. In den folgenden drei Jahrzehnten wurden weltweit 3 Millionen Kameras der Rollei 35 verkauft. Sie bot vielen Amateuren den idealen Einstieg in die Kleinbildfotografie.
Die Amateurfotografie wurde in dieser Zeit zum Motor der Fotowirtschaft. Zeitgleich wurde auch der Kunstcharakter der Fotografie zunehmend akzeptiert. Maßgeblich für die breite Anerkennung der Fotografie als Kunstform waren die MoMAFotoausstellungen von Edward Steichen («The Family of man», 1955) und John Szarkowski (1960er). Zur gleichen Zeit begann auch der Trend zur Gebrauchskunst.
Jahre des Umbruchs
1966 übernahm die Familie Franke alle Geschäftsanteile der Familie Heidecke. Vor dem Hintergrund des wachsenden Konkurrenzdrucks der japanischen Kamerahersteller, beschloss man eine Gegenoffensive zu starten und die eigene Produktion nach Asien zu verlagern. 1968 gelang es die Norddeutsche Landesbank als Mehrheitsgesellschafter (97%) zu gewinnen, um die hohen Kredite für die Expansion abzusichern.
Ab dem Start der Rollei Singapore (P.T.E.) Ltd. 1971 wurde in Fernost produziert, die Forschung und Entwicklung lag weiterhin in Braunschweig. Aufgrund der zu hohen Kosten, geringer Fertigungsmengen und der nicht einhaltbaren Verpflichtungen gegenüber der Regierung Singapurs war dieses Projekt letztendlich zum Scheitern verurteilt. [weiter...]

